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Barcode-Typen und Technik – Alles über Strichcodes

Was ist ein Barcode?

Ein Barcode – auf Deutsch auch Strichcode oder Balkencode – ist eine maschinenlesbare Darstellung von Daten in Form paralleler Linien oder geometrischer Muster. Die Idee geht zurück auf das Jahr 1952, als die US-amerikanischen Erfinder Norman Joseph Woodland und Bernard Silver ein Patent für eine „Classifying Apparatus and Method“ erhielten (US-Patent 2,612,994). Woodland liess sich vom Morsecode inspirieren: Er zog die Punkte und Striche einfach nach unten in die Laenge und schuf damit das erste Barcodekonzept der Welt.

Obwohl die Technologie bereits in den 1950er Jahren patentiert war, dauerte es über zwei Jahrzehnte, bis der erste kommerzielle Barcode-Scan stattfand. Am 26. Juni 1974 wurde in einem Marsh-Supermarkt in Troy, Ohio, eine Packung Wrigley’s Juicy Fruit Kaugummi mit einem UPC-Scanner erfasst – ein Moment, der den weltweiten Siegeszug des Barcodes einlaeutete. Heute werden taeglich Milliarden von Barcodes gescannt, vom Lebensmittelgeschaeft bis zum Krankenhaus, von der Fabrikhalle bis zum Paketdienst.

Das Grundprinzip ist dabei erstaunlich einfach: Ein Barcode besteht aus einer Abfolge dunkler Striche (Bars) und heller Zwischenraeume (Spaces) unterschiedlicher Breite. Ein Scanner – sei es ein Lasergeraet oder eine Kamera – beleuchtet den Code und misst die Intensitaet des reflektierten Lichts. Dunkle Bereiche absorbieren das Licht, helle Bereiche reflektieren es. Aus diesem Muster von hoher und niedriger Reflexion wird eine Bitfolge dekodiert, die den eigentlichen Inhalt ergibt: eine Artikelnummer, eine Sendungsverfolgungsnummer oder andere Identifikationsdaten.

Von der Postsortierung über die Lagerverwaltung bis zur Patientenidentifikation im Krankenhaus – Barcodes haben sich in weniger als 50 Jahren von einer Nischentechnologie zu einem globalen Standard entwickelt, ohne den moderne Logistik und Handel undenkbar waeren.

1D-Barcodes vs 2D-Codes

Barcodes lassen sich grundsaetzlich in zwei Kategorien einteilen: eindimensionale (1D) Codes, die Daten nur in einer Richtung kodieren, und zweidimensionale (2D) Codes, die Informationen sowohl horizontal als auch vertikal speichern. Dieser Unterschied hat weitreichende Konsequenzen für Kapazitaet, Einsatzgebiet und benötigte Lesetechnik.

Ein klassischer 1D-Barcode wie der EAN-13 auf einer Mueslischachtel besteht aus vertikalen Strichen. Die Daten sind ausschliesslich in der Breite der Striche und Zwischenraeume kodiert – die Hoehe dient nur der besseren Lesbarkeit. Dadurch ist die maximale Kapazitaet auf etwa 20 bis 25 Zeichen begrenzt. 2D-Codes hingegen nutzen ein Raster aus Modulen (kleine Quadrate oder Punkte) und können so auf gleicher Fläche hundert- oder tausendfach mehr Daten speichern.

Eigenschaft 1D-Barcode 2D-Code
Datenkapazitaet Max. ~25 Zeichen Bis zu mehrere tausend Zeichen
Leserichtung Nur horizontal (1 Richtung) Horizontal + vertikal (2 Richtungen)
Scanner Laser-Scanner genuegt Kamera oder 2D-Imager erforderlich
Fehlerkorrektur Nur Pruefsumme (1 Ziffer) Reed-Solomon (bis 30% Redundanz)
Typische Verwendung Einzelhandel, Lager, Bibliotheken Gesundheitswesen, Transport, Tickets
Beispiele EAN-13, UPC-A, Code 128, Code 39 QR-Code, Data Matrix, PDF417, Aztec

In der Praxis ergaenzen sich beide Typen: 1D-Barcodes sind ideal für einfache Identifikationsnummern, waehrend 2D-Codes überall dort zum Einsatz kommen, wo mehr Daten auf kleinerem Raum benötigt werden oder eine eingebaute Fehlerkorrektur wichtig ist.

Die wichtigsten Barcode-Typen

Es gibt Dutzende von Barcode-Symbologien, aber nur eine Handvoll dominiert den Alltag. Hier sind die wichtigsten Formate mit ihren Eigenschaften, Einsatzgebieten und einer interessanten Zusatzinformation:

EAN-13 / EAN-8

Typ: 1D • Kapazitaet: 13 bzw. 8 Ziffern • Zeichensatz: Nur Ziffern (0–9)

Einsatzgebiet: Weltweit der Standard für den Einzelhandel. Die European Article Number identifiziert jedes Produkt eindeutig – von der Zahnbuerste bis zum Fertiggericht. EAN-8 ist die Kurzform für kleine Verpackungen.

Wussten Sie? Die ersten zwei bis drei Ziffern bilden das Laenderkennzeichen (z.B. 400–440 für Deutschland). Die letzte Ziffer ist eine Pruefsumme, die Lesefehler erkennt.

UPC-A / UPC-E

Typ: 1D • Kapazitaet: 12 bzw. 8 Ziffern • Zeichensatz: Nur Ziffern (0–9)

Einsatzgebiet: Der Universal Product Code ist der Standard in Nordamerika. Funktional ist UPC-A ein Subset von EAN-13 – jeder UPC-A-Code lässt sich als EAN-13 darstellen, indem man eine fuehrende Null ergaenzt. UPC-E ist die platzsparende Variante für sehr kleine Produkte.

Wussten Sie? Der allererste UPC-Scan (1974, Kaugummi in Ohio) verwendete UPC-A. Die gescannte Packung befindet sich heute im Smithsonian National Museum of American History in Washington, D.C.

Code 128

Typ: 1D • Kapazitaet: Variabel (praktisch unbegrenzt) • Zeichensatz: Vollstaendiger ASCII (128 Zeichen)

Einsatzgebiet: Die Allzweckwaffe in der Logistik. Code 128 wird auf Versandetiketten, in der Lagerverwaltung und überall dort eingesetzt, wo alphanumerische Daten kompakt kodiert werden müssen. Durch drei verschiedene Code-Sets (A, B, C) ist er aeusserst flexibel.

Wussten Sie? Code 128 wurde 1981 vom Computer Identics Corporation entwickelt und ist besonders platzsparend: Im Code-Set C werden jeweils zwei Ziffern in einem einzigen Symbol kodiert.

Code 39

Typ: 1D • Kapazitaet: Variabel • Zeichensatz: A–Z, 0–9, Leerzeichen, - . $ / + %

Einsatzgebiet: Industrie, Behoerden und Militaer. Code 39 (auch bekannt als „Code 3 of 9“) ist einer der aeltesten alphanumerischen Barcodes und wird noch heute im US-Verteidigungsministerium und in der Automobilindustrie verwendet.

Wussten Sie? Code 39 ist „self-checking“ – ein einzelner Druckfehler fuehrt nicht zu einer falschen Dekodierung, sondern dazu, dass der Code gar nicht gelesen werden kann. Das macht ihn besonders sicher.

ITF-14 (Interleaved 2 of 5)

Typ: 1D • Kapazitaet: 14 Ziffern • Zeichensatz: Nur Ziffern (0–9)

Einsatzgebiet: Versandkartons und Umverpackungen. ITF-14 identifiziert Handelseinheiten (z.B. einen Karton mit 24 Flaschen) und ist speziell für den Druck auf Wellpappe optimiert – der robuste, breite Strichcode verzeiht auch unebene Druckoberflaechen.

Wussten Sie? Der Name „Interleaved 2 of 5“ beschreibt die Kodierungstechnik: Zwei Ziffern werden ineinander verschachtelt (interleaved) – eine in den Strichen, die andere in den Zwischenraeumen. Von je fuenf Elementen sind genau zwei breit.

GS1-128 (frueher EAN-128)

Typ: 1D • Kapazitaet: Variabel • Zeichensatz: Vollstaendiger ASCII

Einsatzgebiet: Lieferkette und Logistik auf höchstem Niveau. GS1-128 basiert auf Code 128, fuegt aber das GS1-System der „Application Identifiers“ (AI) hinzu. So können in einem einzigen Barcode Artikelnummer, Chargennummer, Mindesthaltbarkeitsdatum, Gewicht und Seriennummer gleichzeitig kodiert werden.

Wussten Sie? Es gibt über 100 definierte Application Identifiers. AI (01) steht für die GTIN, AI (17) für das Verfallsdatum, AI (10) für die Chargennummer. Das macht GS1-128 zum „Schweizer Taschenmesser“ der Lieferkette.

Data Matrix

Typ: 2D • Kapazitaet: Bis 2.335 alphanumerische Zeichen • Zeichensatz: Vollstaendiger ASCII + Binaerdaten

Einsatzgebiet: Medizintechnik, Pharma, Elektronik und überall dort, wo extrem kleine Codes auf kleinstem Raum benötigt werden. Data Matrix ist der bevorzugte Code für die Einzelteilkennzeichnung (Direct Part Marking) – etwa per Lasergravur auf chirurgischen Instrumenten oder Mikrochips.

Wussten Sie? Ein Data Matrix Code kann so klein sein wie 2×2 mm – und trotzdem zuverlässig gelesen werden. Die NASA verwendet Data Matrix zur Kennzeichnung aller Raumfahrtkomponenten.

PDF417

Typ: 2D (gestapelt) • Kapazitaet: Bis 1.850 alphanumerische Zeichen • Zeichensatz: Vollstaendiger ASCII + Binaerdaten

Einsatzgebiet: Ausweisdokumente, Fuehrerscheine, Bordkarten und Versandetiketten. PDF417 ist ein „gestapelter“ Code: Er besteht aus mehreren übereinander liegenden 1D-Zeilen und bildet so ein rechteckiges 2D-Muster. In den USA ist PDF417 der Standard für die Rueckseite aller Fuehrerscheine.

Wussten Sie? Der Name PDF417 steht für „Portable Data File“ mit 4 Strichen und Zwischenraeumen in einem Muster von je 17 Modulen Breite. Er wurde 1991 von Ynjiun Wang bei Symbol Technologies erfunden.

Aztec Code

Typ: 2D • Kapazitaet: Bis 3.832 alphanumerische Zeichen • Zeichensatz: Vollstaendiger ASCII + Binaerdaten

Einsatzgebiet: Transporttickets, Bordkarten und öffentlicher Nahverkehr. Der Aztec Code wird von der IATA für Flugtickets und von vielen europaeischen Bahnsystemen (Deutsche Bahn, OeBB, SBB) für Online-Tickets verwendet.

Wussten Sie? Der Aztec Code ist der einzige gaengige 2D-Code, der keine Quiet Zone benötigt – er kann also direkt an den Rand eines Etiketts gedruckt werden. Sein Name leitet sich von der Aehnlichkeit des zentralen Finder Patterns mit einer aztekischen Pyramide ab, von oben betrachtet.

Wie funktioniert ein Barcode-Scanner?

Ein Barcode-Scanner wandelt das optische Muster eines Barcodes in digitale Daten um. Dafür gibt es drei grundlegend verschiedene Technologien:

Laser-Scanner

Der Klassiker: Ein roter Laserstrahl wird über den Barcode bewegt (durch einen rotierenden Spiegel oder ein oszillierendes Prisma). Eine Fotodiode misst die zurückgeworfene Lichtintensitaet. Dunkle Striche reflektieren wenig Licht, helle Zwischenraeume viel. Das resultierende elektrische Signal wird digitalisiert und dekodiert. Laser-Scanner sind schnell und praezise, können aber nur 1D-Barcodes lesen.

CCD/CMOS-Imager (Area Imager)

Ein Bildsensor (ähnlich einer Digitalkamera) nimmt ein vollständiges Bild des Barcodes auf. Software-Algorithmen identifizieren dann das Barcode-Muster im Bild und dekodieren es. Area Imager können sowohl 1D- als auch 2D-Codes lesen und sind heute der Standard in professionellen Handscannern. Sie funktionieren auch bei beschaedigten oder schlecht gedruckten Codes zuverlässiger als Laser-Scanner.

Smartphone-Kamera

Moderne Smartphones verwenden ihre eingebaute Kamera als Barcode-Scanner. Die Kamera-App oder eine spezielle Scanner-App analysiert den Videostream in Echtzeit, erkennt Barcodes und dekodiert sie – oft in weniger als 100 Millisekunden. Seit iOS 11 und Android 9 ist die Barcode-Erkennung direkt in die Standard-Kamera-App integriert, eine separate App ist nicht mehr noetig.

Unabhängig von der Technologie folgt der Dekodierungsprozess immer dem gleichen Prinzip: Reflexion messen → analoges Signal digitalisieren → Symbologie erkennen → Prüfziffer validieren → Daten ausgeben.

Anwendungsgebiete

Barcodes sind so allgegenwaertig, dass wir sie oft gar nicht mehr bewusst wahrnehmen. Hier sind die wichtigsten Einsatzbereiche:

Einzelhandel und Kassensysteme (POS)

EAN-13 und UPC-A sind der Herzschlag des Einzelhandels. An jeder Supermarktkasse weltweit werden pro Sekunde Hunderte von Barcodes gescannt. Sie ermöglichen die automatische Preiszuordnung, Bestandsfuehrung in Echtzeit und die lueckenlose Verfolgung der Warenstroeme vom Hersteller bis ins Ladenregal.

Logistik und Lieferkette

Code 128, GS1-128 und ITF-14 bilden das Rueckgrat der globalen Lieferkette. Jedes Paket bei DHL, UPS oder FedEx traegt einen Barcode, der an jedem Umschlagpunkt gescannt wird. So kann der Weg eines Pakets vom Versender bis zur Haustuer in Echtzeit verfolgt werden – oft über 20 Scan-Punkte pro Sendung.

Gesundheitswesen und Pharma

Data Matrix und GS1 DataBar sichern Menschenleben. In Krankenhaeusern werden Patientenarmbaender, Medikamente und Blutkonserven per Barcode identifiziert, um Verwechslungen zu vermeiden. Seit 2019 müssen in der EU alle verschreibungspflichtigen Medikamente einen Data Matrix Code mit Seriennummer tragen (EU-Faelschungsschutzrichtlinie 2011/62/EU).

Post und Paketdienste

Spezielle Postbarcodes wie der POSTNET (USA), Royal Mail 4-State (UK) oder die Deutsche Post Leitcodierung sortieren taeglich Millionen von Briefen und Paketen vollautomatisch. Diese Codes enthalten Postleitzahl und Zustellinformationen und ermöglichen Sortiergeschwindigkeiten von bis zu 40.000 Sendungen pro Stunde.

Veranstaltungen und Zutrittskontrolle

PDF417 und Aztec Codes auf Konzert- und Flugtickets ersetzen zunehmend die klassische Eintrittskarte. Ein Scan am Einlass genuegt, um die Gueltigkeit zu pruefen und doppelte Eintritte zu verhindern. Fluggesellschaften setzen auf den IATA-Standard BCBP (Bar Coded Boarding Pass) mit Aztec oder PDF417.

Fertigung und Rueckverfolgbarkeit

In der Automobilindustrie, Luftfahrt und Elektronikfertigung werden Bauteile per Data Matrix dauerhaft gekennzeichnet – oft durch Lasergravur direkt auf dem Material. So kann jedes einzelne Bauteil über die gesamte Lebensdauer zurückverfolgt werden, was bei Rueckrufaktionen entscheidend ist.

Tipps für optimale Barcodes

  • Kontrast ist alles: Verwenden Sie immer dunkle Striche auf hellem Hintergrund. Schwarz auf Weiss ist ideal. Vermeiden Sie rote oder orange Hintergruende – Rot-Laser-Scanner können diese nicht unterscheiden.
  • Mindestgröße beachten: Jeder Barcode-Typ hat eine spezifizierte Mindestgröße. Für EAN-13 betraegt die Standardgröße 37,29 × 25,93 mm, die Verkleinerung auf 80% (29,83 × 20,74 mm) ist die empfohlene Untergrenze.
  • Quiet Zone einhalten: Der freie Bereich links und rechts (bzw. um den gesamten Code bei 2D) ist kein optionales Designelement, sondern technisch notwendig. Für EAN-13 betraegt die Quiet Zone mindestens 11 Module links und 7 Module rechts.
  • Druckqualitaet pruefen: Ein verschmierter oder verschwommener Barcode fuehrt zu Lesefehlern. Verwenden Sie Drucker mit mindestens 203 dpi (besser 300 dpi) und pruefen Sie die Druckqualitaet regelmaessig mit einem Barcode-Verifier nach ISO/IEC 15416 (1D) oder ISO/IEC 15415 (2D).
  • Richtigen Typ wählen: Nicht jeder Barcode eignet sich für jede Anwendung. Für reine Produktnummern reicht EAN-13, für Versandetiketten ist Code 128 besser, und für Kleinstteile ist Data Matrix die richtige Wahl.
  • Vor dem Druck verifizieren: Testen Sie jeden Barcode mit einem echten Scanner, bevor Sie eine grosse Auflage drucken. Online-Generatoren und Druckereinstellungen können subtile Fehler einfuehren, die erst beim Scan sichtbar werden.

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